Editio Domini · MMXXVI

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Magazin für Speicher- und Naturstein-Öfen, traditionelles Heizen und nachhaltige Wärme DACH


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Markt · Mai 2026

Anatomie des DACH-Speicherofen-Markts 2026: Klassik-Marken und ihre Wende seit den 2020ern

Tulikivi und NunnaUuni aus Juuka, Brunner aus Eggenfelden, Olsberg mit 449 Jahren Sauerländer Eisengussgeschichte: Der DACH-Speicherofen-Markt 2026 zeigt eine industrielle Schichtung, die seit der GEG-Novelle und der Wärmepumpen-Welle in Bewegung geraten ist.

Der DACH-Speicherofen-Markt 2026 ist das Ergebnis einer fünfzigjährigen Konsolidierung, an deren Anfang noch dezentrale Hafner-Werkstätten und an deren Ende industrielle Hersteller mit mehreren hundert Modellen, Börsennotierung und globaler Vertriebsstruktur stehen. Die Marktteilnehmer:innen lassen sich grob in vier Schichten gliedern: die finnische Speckstein-Industrie mit den beiden Juuka-Marken Tulikivi und NunnaUuni, die deutsche Premium-Hafner-Industrie mit Brunner und einigen mittelständischen Manufakturen, die Schweizer und österreichischen Spezialhersteller mit traditionellem Handwerks-Bezug, und schließlich die größere Gruppe der Konvektions- und Pellet-Hersteller im mittleren Preissegment mit Olsberg, Hark, Justus und vergleichbaren Marken. Hinter allen stehen die rund 2.500 Hafner- und Ofenbau-Betriebe der DACH-Region, die den Markt am Ort der Aufstellung physisch realisieren.

Die finnische Schicht: Juuka als Welt-Klassen-Region

Die finnische Specksteinofen-Industrie ist im weltweiten Vergleich die Welt-Klassen-Region für Strahlungs-Speicheröfen aus Naturstein. Sie konzentriert sich seit den 1980er-Jahren auf wenige Quadratkilometer rund um die Kleinstadt Juuka und die benachbarten Gemeinden Lieksa und Nunnanlahti in der finnischen Provinz Nord-Karelien. Zwei Unternehmen dominieren diesen Mikrokosmos. Tulikivi, gegründet 1980, beschäftigt 2026 weltweit etwa 1.000 Mitarbeiter:innen, betreibt mehrere Steinbrüche und ein zentrales Verarbeitungswerk in Juuka, ist seit 1988 an der Helsinkier Börse notiert und führt einen Katalog mit rund 250 Modellen, der von kompakten Wohnraumöfen bis zu massiven Anlagen für offene Wohnlandschaften reicht. NunnaUuni, ein Jahr später in derselben Region gegründet, hat sich auf eine schlankere Produktpalette von rund 80 Modellen konzentriert und wird im Premium-Segment der finnischen Klassik positioniert; das Unternehmen ist nicht börsennotiert.

Beide Anbieter exportieren in vierzig bis fünfzig Länder, mit der DACH-Region als wichtigstem Auslandsmarkt. Die finnische Stärke liegt in der vertikalen Integration: Vom Bruch bis zum montagefertigen Modul wandern alle Produktionsschritte durch unternehmenseigene Werke; die Lieferkette ist entsprechend kurz und die Qualitätskontrolle stringent. Die Schwäche dieser Konzentration zeigte sich 2022 und 2023, als die Logistikkrise und die Energiepreis-Welle die finnischen Produktionskosten überproportional in die Höhe trieben und die Exportpreise auf den DACH-Märkten deutlich anziehen ließen. Die Branche hat darauf mit einer Welle an Effizienzmaßnahmen reagiert und ist 2025 in einer wieder stabileren Preisrunde angekommen.

Neben Tulikivi und NunnaUuni operieren in Finnland mehrere kleinere Specksteinofen-Hersteller, die in der DACH-Region nur sporadisch vertreten sind und vor allem die nordischen Heimatmärkte bedienen. Der Welt-Klassen-Charakter der Region ist gleichwohl unverändert: Wer im DACH-Raum einen Specksteinofen finnischer Bauart kauft, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit ein in Juuka oder Lieksa gebrochenes und verarbeitetes Bauteil.

Die deutsche Premium-Schicht: Brunner und die Manufaktur-Tradition

Die deutsche Speicherofen-Industrie wird im Premium-Segment seit den 1970er-Jahren von Brunner aus dem niederbayerischen Eggenfelden geprägt. Das Unternehmen wurde 1973 gegründet, beschäftigt 2026 etwa 600 Mitarbeiter:innen und steht in einer Branchen-Sonderrolle als Komplettanbieter für den hochwertigen Kachelofen- und Heizkamin-Bau. Brunner kombiniert eine vertikale Produktionstiefe mit einer Hafner-orientierten Vertriebsstruktur: Die Anlagen werden ausschließlich über ein Netzwerk zertifizierter Hafner- und Ofenbau-Meisterbetriebe vertrieben, die für die Auslegung, den Einbau und die Inbetriebnahme verantwortlich zeichnen. Das Brunner-Modellprogramm umfasst Heizkamin-Einsätze, Kachelofen-Heizeinsätze und vollständig vorgefertigte Speicheranlagen, die in den letzten zehn Jahren eine zeitgenössische Formensprache mit reduzierter Glasdach-Optik und großflächigen Sichtfenstern entwickelt haben.

Neben Brunner existieren in der deutschen Premium-Schicht mehrere mittelständische Manufakturen mit teils langer Tradition. ANR Achterhoek, seit 1988 im niederrheinischen Grenzraum tätig, beliefert vor allem den niederländisch-deutschen Markt mit Kachelofen-Einsätzen und Heizkamin-Bauteilen. Schmid (mit dem Schweizer Standbein Schmid Krayss-Wallis, seit 1989) verbindet die schweizerische Plattenleger-Tradition mit moderner Speicheranlagentechnik und ist im DACH-Premiumsegment ein etablierter Anbieter. Olsberg-Hase, Schmid und ähnliche Manufakturen besetzen die Lücke zwischen der finnischen Speckstein-Klassik und der größeren Konvektions-Industrie und sind häufig in regionalen Hafner-Netzwerken besonders verankert.

Die Stärke dieser deutschen Premium-Schicht liegt in der Nähe zur Hafner-Innung und in der bauteilbezogenen Auslegungs-Beratung: Anders als die finnischen Modul-Hersteller arbeiten Brunner und seine deutschen Wettbewerber stärker auf die individuelle Raumsituation hin und liefern Heizeinsätze, die in eine handwerklich vor Ort entstehende Kachelofen-Verkleidung eingebaut werden. Das Ergebnis ist in der Regel eine Unikat-Anlage mit höherer Investitionssumme, dafür auch höherer Wertbeständigkeit und individueller Anpassung an die Bauherrenwünsche.

Die Sauerländer Eisenguss-Schicht: Olsberg und die mittlere Preisklasse

Eine eigene Schicht bildet die mittlere Preisklasse mit den Sauerländer und westdeutschen Eisenguss-Marken. Olsberg, gegründet 1577 in der gleichnamigen Stadt im Hochsauerland, ist mit 449 Jahren Unternehmensgeschichte die älteste noch produzierende Eisengießerei der DACH-Region und einer der ältesten kontinuierlich tätigen Industriebetriebe Deutschlands überhaupt. Das Unternehmen hat sich im 20. Jahrhundert vom Eisenguss für Pfannen und Töpfe zum Hersteller von Kaminöfen, Speicheröfen und seit den 2010er-Jahren auch Pellet-Speicheröfen gewandelt. Die Olsberger Modellpalette deckt mit etwa 60 bis 80 Modellen das mittlere und obere mittlere Preissegment ab.

Hark, gegründet 1969 in Duisburg, und Justus, gegründet 1972 in Münster, ergänzen die deutsche Konvektions- und Kaminofen-Schicht im vergleichbaren Preissegment. Beide Hersteller verbinden die Massenproduktion industrieller Standard-Modelle mit einer breiten Vertriebsstruktur, die Bau- und Heimwerker-Märkte ebenso einschließt wie spezialisierte Ofenstudios. Die Speicherofen-Anteile dieser Marken sind kleiner als bei Brunner oder den finnischen Anbietern, wachsen aber seit der zweiten Stufe der 1. BImSchV und der GEG-Novelle, da der Markt zunehmend nach hochspeichernden Anlagen mit langer Wärmeabgabe fragt.

Eine bemerkenswerte Marktbewegung der letzten Jahre ist die Hinwendung dieser Schicht zu Pellet-Speicheröfen, die das klassische Stückholz-Konzept mit einer automatisierten Beschickung und einer elektronischen Verbrennungsregelung kombinieren. Olsberg, Hase und einige weitere Anbieter haben in dieser Nische Wachstumsraten im zweistelligen Prozent-Bereich verzeichnet, während das klassische Stückholz-Segment im gleichen Zeitraum eher stagniert. Die Pellet-Speicheröfen schließen damit eine Lücke zwischen den vollautomatischen Pellet-Heizkesseln und den händisch beschickten Speicheranlagen.

Die österreichische und schweizerische Schicht: Hafner und Plattenleger

Österreich und die Schweiz bringen in den DACH-Markt eine eigenständige Handwerks-Tradition ein. In Österreich operiert die Hafner-Innung mit einer dichten regionalen Verankerung in Tirol, Salzburg und Vorarlberg; die österreichische Hafner-Tradition steht für eine fortgesetzte Praxis des handwerklich gesetzten Kachelofens, der nicht aus vorgefertigten Modulen besteht, sondern vor Ort aus Schamotte und Speckstein gemauert und mit individuell ausgewählten Kacheln verkleidet wird. Diese Schicht ist zwar zahlenmäßig kleiner als die deutsche Industrie, prägt aber das Bild des Speicherofens in der DACH-Region maßgeblich mit – nicht zuletzt durch ihren regelmäßigen Auftritt auf der Bauen-und-Energie-Messe in Wien und ihre Verbandsarbeit über den österreichischen Kachelofen-Verband.

Die Schweiz kennt eine vergleichbare Tradition, die jedoch stärker mit dem Plattenleger-Handwerk verbunden ist – einem in der Schweiz eigenständig organisierten Beruf, der die Verkleidung der Speicheranlagen mit Stein- und Keramikplatten umfasst. Schmid Krayss-Wallis, Tonwerk Lausen und einige weitere mittelständische Schweizer Anbieter bedienen den heimischen Markt mit Modellen, die häufig die schweizerische Vorliebe für reduzierte, alpin-zeitgenössische Formensprache aufnehmen. Die Schweizer LRV mit ihren teilweise schärferen Emissionsgrenzwerten – 30 mg/m³ Feinstaub für neue Einzelraumfeuerstätten gegenüber 40 mg/m³ in Deutschland – hat dazu geführt, dass die Schweizer Industrie in der Verbrennungsregelung und Filtertechnik einen leichten Innovationsvorsprung gegenüber der deutschen Konkurrenz behauptet.

In Summe sind 2026 in der DACH-Region etwa 2.500 Hafner- und Ofenbau-Meisterbetriebe wirtschaftlich tätig – eine Zahl, die gegenüber dem Stand von 2018 nur leicht zurückgegangen ist und damit die hohe Beständigkeit dieses traditionellen Handwerks belegt. Die Betriebsgrößen reichen von Ein-Personen-Werkstätten, die regional auf Restaurierungen und kleine Neuanlagen spezialisiert sind, bis zu mittelständischen Unternehmen mit zwanzig bis dreißig Beschäftigten, die im DACH-weiten Vertrieb der industriellen Hersteller eine zentrale Rolle spielen.

Die Wende seit 2020: GEG-Novelle, Wärmepumpe und der Rückgang der Stückzahlen

Die Markt-Wende der frühen 2020er-Jahre ist im DACH-Speicherofen-Geschäft deutlich spürbar geworden. Nach Brancheneinschätzung des HKI (Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik) ist der Absatz von Festbrennstoff-Einzelfeuerstätten in der Bundesrepublik 2024 gegenüber dem Spitzenjahr 2021 um etwa 25 Prozent zurückgegangen. Die Gründe sind vielschichtig: Die GEG-Novelle zum 1. Januar 2024 hat die Wärmepumpe als regelhafte Standardlösung für Neubauten und größere Sanierungen etabliert und damit den Festbrennstoff-Ofen aus dem Zentrum der Heizungs-Diskussion verdrängt. Die kommunale Wärmeplanung, die bis 2026 für Großstädte und 2028 für kleinere Gemeinden abgeschlossen sein soll, wirft die Frage auf, in welchen Wärmenetz-Gebieten Festbrennstoff-Anlagen langfristig zugelassen bleiben.

Hinzu kam die Energiepreis-Welle 2022, die kurzfristig zu einer Sonder-Konjunktur für Festbrennstoff-Öfen geführt hatte – Brennholz und Pellets erschienen als preisstabile Alternative zur Gasversorgung, und die Lieferzeiten der Industrie verlängerten sich auf bis zu zwölf Monate. Diese Sonder-Konjunktur ist 2023 abgeflaut, und das Marktniveau hat sich auf einem Wert unterhalb der Vor-Krisen-Linie eingependelt. Die Branche reagiert darauf mit einer Hinwendung zur Sanierung des Bestands: Die zweite Stufe der 1. BImSchV und die gestaffelten Außerbetriebnahmen haben einen erheblichen Bedarf an Bestandsofen-Tausch geschaffen, der nach Brancheneinschätzung in den nächsten fünf bis acht Jahren ein wesentliches Standbein der DACH-Speicherofen-Industrie bilden werde.

Die Wende-Klassik der 2020er ist damit keine Niedergangserzählung, sondern eine Strukturverschiebung: Der Speicherofen verliert seine Rolle als primäre Wärmequelle in Neubauten und gewinnt im gleichen Zug eine neue Position als ergänzendes Strahlungsheizungs-Element in hybriden Wärmesystemen. Ob das die Stückzahlen langfristig stabilisiert, ob die Branche eine zweite Welle der Konsolidierung erlebt und ob die handwerkliche Hafner-Tradition in dieser Wende ihre Welt-Klassen-Bedeutung behauptet, sind die offenen Fragen, die den Markt der zweiten Hälfte dieser Dekade bestimmen werden.

Sanierungs-Klassik und der Bestandsofen-Tausch

Die zentrale Markt-Bewegung der laufenden Heizperiode ist der Bestandsofen-Tausch im Zuge der zweiten Stufe der 1. BImSchV. Mit dem Stichtag 31. Dezember 2024 sind nach Schätzungen des Industrieverbands HKI etwa 600.000 bis 800.000 Einzelraumfeuerstätten in der Bundesrepublik austausch- oder nachrüstungspflichtig geworden. Diese Bestandsmasse trifft auf eine Industrie, die ihre Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren tendenziell zurückgefahren oder zumindest nicht ausgebaut hat – und auf eine Hafnerschaft, deren Auftragsbücher in den Jahren 2024 und 2025 bis an die Grenze der Auslastung gefüllt waren. Die Lieferzeiten für hochwertige Speicheranlagen, sowohl aus finnischer als auch aus deutscher Produktion, lagen 2024 bei sechs bis zwölf Monaten und sind erst in den letzten Monaten wieder auf das Vor-Krisen-Niveau von zwei bis vier Monaten zurückgegangen.

Die Sanierungs-Welle hat in der Industrie zu einer Hinwendung zu standardisierten Tausch-Paketen geführt, die das Ersatzgerät, den Einbau, die Schornstein-Anpassung und die Endabnahme aus einer Hand liefern. Brunner, Olsberg und mehrere finnische Hersteller bieten seit 2022 entsprechende Pakete im Mittel-Preissegment von 8.000 bis 18.000 Euro an, mit deutlich gestiegenen Stückzahlen im Jahr 2024 und einer weiterhin stabilen Nachfrage in den ersten Monaten 2026. Der Sanierungs-Markt wird voraussichtlich bis Ende der Dekade ein wesentliches Standbein der DACH-Speicherofen-Industrie bleiben, ehe er sich um 2030 herum auf das Niveau einer regulären Bestandserneuerung einpendelt.

Handel, Studios und der digitale Wandel

Eine vierte Schicht des Markts, die in der industriellen Betrachtung oft übergangen wird, sind die Ofenstudios und Fachhändler:innen, die zwischen Industrie und Hafner stehen. Im DACH-Raum operieren 2026 nach Verbandsangaben etwa 800 bis 1.000 spezialisierte Ofenstudios mit Ausstellungsflächen und qualifiziertem Beratungspersonal. Sie führen Modelle mehrerer Hersteller, übernehmen die Erstberatung der Bauherrenseite und koordinieren in der Folge die Hafner- und Schornsteinfeger-Termine. Mit der Digitalisierung des Vertriebs ist diese Schicht seit etwa 2019 unter Druck geraten – die Online-Konfigurations-Tools der Industrie und die Direkt-Bestelloption mancher Hersteller haben den klassischen Studio-Vertrieb teilweise umgangen. Gleichzeitig hat sich die Beratungskomplexität durch die GEG-Welle und die kommunale Wärmeplanung so erhöht, dass viele Bauherr:innen die fachliche Beratung der Studios weiterhin in Anspruch nehmen.

Die Markt-Anatomie 2026 zeigt damit ein vielschichtiges Bild: Eine konzentrierte finnische Welt-Klassik mit zwei dominanten Herstellern, eine deutsche Premium-Hafner-Schicht mit Brunner als Leitfigur, eine breitere deutsche Konvektions- und Pellet-Industrie mit Olsberg, Hark und Justus, eine eigenständige österreichische und schweizerische Handwerks-Klassik, dazu der Bestand der 2.500 DACH-Hafner-Betriebe und die 800 bis 1.000 spezialisierten Ofenstudios. Diese Schichten arbeiten teils zusammen, teils konkurrieren sie um dieselben Bauherrenwünsche – und sie bewegen sich gemeinsam in einer Wende, deren Ausgang die zweite Hälfte der Dekade definieren wird.


Ressort: Markt